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Reuters: Die Herausforderung ist größer, als ihr denkt

Herausgegeben von in Medienforschung ·
Tags: StrategieChangeARDZDFStudieOnline
 
Das Reuters institute for the Study of Journalism hat in einer aktuellen Studie die Positionierung und Entwicklung einiger europäischer Public News-Organisationen untersucht: Old, Educated, and Politically Diverse: The Audience of Public Service News.
 
„More than 20 years into the digital media revolution, Public service media organisations still remain overwhelmingly broadcasters, both in terms of investment and audience.
The public, however, is moving on.“
 
Die Ergebnisse sind erschreckend - vor allem aus deutscher öffentlich-rechtlicher Sicht:
 
„ … a closer look suggests that the challenges that face public service media news provision are bigger – much bigger – than is commonly acknowledged, even in countries with a long history of strong public service media.“

(Nachtrag 15.9.2019:
Die Datenbasis der Studie ist sehr begrenzt. Die folgenden Aussagen sind deshalb eher als 'Tendenz' zu verstehen, nicht als 'harte' Zahlen. Danke an Klaus Meier, Uni Eichstätt)

Alarmglocken für Strategen:
 
1.
 
Die (mehr oder weniger ernsthaften) Bemühungen der öffentlich-rechtlichen Sender in den letzten Jahren, ihre Online-Angebote auszubauen und damit die Reichweite durch neue Kunden zu stärken, bringen bislang kaum Erfolge:

Die Reichweite wird weiterhin vor allem durch TV und Radio erzielt, die Online-Nutzer von ARD, ZDF und Deutschlandradio rekrutieren sich weitgehend aus dem linearen Stammpublikum, nur 3% der Gesamtreichweite sind „neue“ Online-only-Nutzer.


 
2.
 
Die Hoffnung der Sender, mittelfristig den (bereits deutlich spürbaren) Rückgang der TV-Nutzung auszugleichen durch einen massiven Anstieg der Online-Nutzung, erfüllt sich bei weitem nicht.
 
Im Gegenteil:
 
Die Reichweite öffentlich-rechtlicher Online-Angebote bei ganz jungem Publikum (18-24 J.) ist in den letzten 3 Jahren sogar gefallen (von 21 auf 19%).



 
3.
 
Der Nachrichtenkonsum der 18-24jährigen findet weiterhin zu einem großen Teil über lineare Medien statt (48%), dabei sind die öffentlich-rechtlichen auch in dieser Zielgruppe Marktführer.
 
Die wachsende Nachfrage nach Online-Nachrichten wird von diesen jungen Kunden auch z.T. bei ARD und ZDF (19%) realisiert, wichtigste Online-Nachrichtenquelle aber sind Facebook und YouTube (je 22%).



 
Insgesamt konstatiert die Studie, dass die öffentlich-rechtlichen (außer der BBC) es trotz hoher Reichweiten im Linearen und trotz relativ robuster Finanzgrundlage es nach wie vor nicht schaffen, sich eine Kundenbasis jenseits ihrer älteren und gebildeten Stammkundschaft zu erarbeiten.
 
So dominant und groß die ‚ Public Service Media Organisations‘ scheinen, so wenig bedeutsam sind sie zugleich online im Vergleich mit den großen Plattformen, bezogen auf Reichweite und Aufmerksamkeit.
 
„This problem will only grow more pronounced and consequential as the move to a more digital, mobile, and platform-dominated media environment continues.“
 
Die Sender in der Existenzkrise:
 
„The alternative to this is not the status quo but continued decline and ultimately the very real risk of irrelevance to much of the public – an irrelevance that would undermine the legitimacy of the PSM as an institution and leave PSMs unable to deliver on their public service mission.“

 
Lösungsvorschläge:
 
  • Die Sender sollten massiv in plattform-übergreifende Nachrichtenangebote investieren, um gezielt höhere Reichweiten bei ‚schwierigen‘ Zielgruppen zu erreichen.

  • Die Sender sollten eine klare Strategie zur Nutzung von Plattformen entwickeln, um die (jüngeren) Kunden dort zu erreichen, wo sie sind.

  • Die Sender benötigen neue Kennziffern zur Messung ihres Erfolgs. Reichweiten und Verweildauer sind dazu ungeeignet.
 
 
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